[For reference. Included with Rev. George Wollenburg's paper distributed at the 2002 Walther Conference]

Five Translations of Dr. C. F. W. Walther's Theses

The Voice of Our Church on
The Question Concerning Church and Ministry

Original German Text (1852)

DIE STIMME UNSERER KIRCHE IN DER FRAGE VON KIRCHE UND AMT

Von der Kirche


Thesis I

Die Kirche im eigentlichen Sinne des Wortes is die Gemeinde der heiligen, d.i. die Gesammtheit aller derjenigen welche, durch das Evangelium aus dem verlorenen, verdammten Menschengeschlecht vom hl. Geiste herausperufen, an Christum wahrhaftig glauben and durch diesen Glauben geheiligt und Christo einverleibt sind.

Thesis II

Zu der Kirche im eigentlichen Sinne des Wortes gehort kein Gottloser, kein Heuchler, kein Unwiedergeborener, kein Ketzer.

Thesis III

Die Kirche im eigentlichen Sinne des Wortes ist unsichtbar.

Thesis IV

Diese wahre Kirche der Glaubingen und Heiligen ist es, welcher Christus die Schlussel des Himmelreichs gegeben hat, und sie ist daher die eigentliche und alleinige Inhaberin un Tragerin der geistlichen, gottlichen und himmlischen Guter, Rechte, Gewaltan, Aemteru, welche Christus erworben hat, und die es in seiner Kirche gibt.

Thesis V

Obwohl die wahre Kirche im eigentlichen Sinne des Wortes ihrem Wesen nach unsichtbar ist, so ist doch ihr Vorhandensein (definitiv) erkennbar, und zwar sind ihre Kennzeichen die reine Predigt des Wortes Gottes und die der Einsetzung christi gernasse Verwaltung der heiligen Sacramente.

Thesis VI

In einem uneigentlichen Sinne wird nach der hl. Schrift auch die sichtbare Resammtheit aller Benufenen, d.h. aller, die sich zu dem gepredigten Worte Gottes bekennen und halten und die heiligen Sacramente gebrauchen, welche aus Guten and Bosen besteht, Kirche (die aligemeine katholische, Kirche), und die einzelnen Abtheilungen derselben, d.h. die hin und wieder sich findenden Gemeinden, in denen Gottes Wort grpedigt und die heiligen Sacramente verwaltet werden, Kirchen (Particularkirchen) genannt; darum nehmlich, weil in diesen sichtbaren Hausen die unsichtbare, wahre, eigentlich sogenannt Kirche der Glaubigen, Heiligen und Kinder Gottes verborgen liegt und ausser dem Hausen der Benufenen seine Auserwahiten zu suchen sind.

Thesis VII

Wie die sichtbaren Gemeinschaften, in denen Word und Sacrament noch wesentlich ist, wegen der in denselben sich befindenden wahren unsichtbaren Kirche wahrhaft Glaubiger nach Gottes Word den Namen Kirche tragen: so haben dieselben auch um der in ihnen verborgen liegenden wahren unsichtbaren Kirche willen, wenn diess auch nur zwei oder drei waren, die Gewa/t, welche Christus seiner ganzen Kirche gegeben hat.

Thesis VIII

Obgleich Gott sich da, wa Gottes Wort nicht ganz rein gepredipt wird und die heil. Sacramente nicht vollig der einsetzung Jesus Christi gemass verwaltet werden, eine heilige Kirche der Auserwahiten sammelt, wenn da Gottes Wort und Sacrament nich gar verleugnet wird, sonden beides wesentlich bleibt; so ist doch einjeder bei seiner Seligheit verbunden, alle falschen Lehrer zu fliehen und alle irrglaubigen Gemeinden oder Secten zu meiden und sich hingegen zu den rechtblaubigen Gemeinden und ihren rechtglaubigen Predigen zu bekennen und resp. zu halten, wo wer solche findet. A. Auch in irrglaubigen, ketzerischen Gemeinden gibt es Kinder Gottes, auch da wird die wahre Kirche an dem darin noch ubrig gebliebenen reinen Word und Sacrament offenbar. B. Ein jeder is bei seiner Seligkeit verbunden, alle falschen propheten zu fliehen und die Gemeinschaft mit irrglaubigen Gemeinden oder Sekten zu meiden. C. Einjeder Christ is bei seiner Seligkeit verbunden, sich zu den rechtglaubigen Gemeinden und ihren rechtglaubigen Predigern zu bekennen und resp. zu halten, wo er solche findet.

Thesis IX

Zur Erlangung der Seligkeit unbedingt nothwendig ist nur die Gemeinschaft mit der unsichtbaren Kiche, welcher urspnunglich allein alle jene herrlichen die Kirche betreffenden Verheissungen gegeben sind.

Von Heiligen Predigtamt oder Pfarramt

Thesis I

Das heilige Predigtamt oder Pfarramt ist ein von dem Priesteramt, welches alle Glaubigen haben, verschiedenes Amt.

Thesis II

Das Predigtamt oder Pfarramt ist keine menschliche Ordnung, sondem ein von Gott selbst gestiKetes Amt.

Thesis III

Das Predigtamt is kein wilikurliches Amt, sondern ein solches Amt, dessen Aufrichtung der Kirche geboten und an das die Kirche bis an das Ende der Tage ordentlicher Weise gebunden ist.

Thesis IV

Das Predigtamt is kein besonderer, dem gemeinen Christenstand gegenuberstehender heiligerer Stand, wie das levitische Priesterthum, sondem ein Amt des Dienstes.

Thesis V

Das Predigtamt hat die Gewalt das Evangelium zu predigen und die heiligen Sacramente zu verwalten und die Gewalt eines geistlichen Gerichts.

Thesis VI

Das Predigtamt wird von Gott durch die Gemeinde, als Inhaberin aller Kirchengewalt oder der Schlussel, und durch deren von Gott vorgeschriebenen Beruf ubertragen. Die Ordination der Berufenen mit Handauflegung is nicht gottlicher einsetzung, sonder einer apostolische kirchliche Ordnung, und nur eine offentliche feierliche Bestatigung jenes Berufes.

Thesis VII

Das heilige Predigtamt is die von Gott durch die Gemeinde als Inhaberin des Priesterthums und aller Kirchengewalt ubertragene Gewalt, die Rechte des geistlichen Priesterthums in offentlichem Amte von Gemeinschaftswegen auszuuben.

Thesis VIII

Das Predigtamt ist das hochste in der Kirche, aus welchem alle anderen Kirchenamter fliessen.

Thesis IX

Dem Predigtamt gebuhrt Ehrfurcht und unbedingterGehorsam, wenn der Prediger Gottes Wort fuhrt, doch hat der Prediger keine Herrschaft in der Kirche; er hat daher kein recht, neue Gesetze zu machen, die Mitteldinge und Ceremonien in der Kirche wilikurlich einzurichten und den Bann allein ohne vorhergehendes Erkenntniss der ganzen Gemeinde zu verhangen und auszuuben.

Thesis X

Zu dem Prediptamt gehort zwar nach gottlichem Rechte auch das Amt, Lehre zu urtheilen, doch haben das Recht hierzu auch die Laien; daher dieselben auch in den Kirchengerichten und Concilien mit den Predigern Sitz und Stimme haben.

Source:
Die Stimme unserer Kirche in der Frage von Kirche und Amt.
Erlangen 1852
Verlag von Andreas Deichert.

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